Substanzinduziertes Delir (Intoxikation & Entzug)

Delir durch Intoxikation oder Entzug: Substanzen, Mechanismen und akute Risiken.

Kernaussagen

  • Intoxikation und Entzug sind zeitkritische Ursachen eines Delirs; einige Verläufe sind lebensbedrohlich.
  • Entscheidend ist die Anamnese: neue/hohe Dosen, Kombinationen (inkl. Alkohol), abruptes Absetzen von Alkohol/Benzodiazepinen.
  • Verdacht auf Vergiftung, Atemdepression, Krampfanfall, schwere Agitation oder Hyperthermie → Notfall.

Klinischer Kontext

Delir kann durch direkte Toxizität (Überdosierung, Interaktion, Kumulation bei Nieren-/Leberinsuffizienz) oder durch Entzug (v. a. Alkohol, Benzodiazepine) entstehen. Das Spektrum reicht von Somnolenz mit Atemdepression bis zu Agitation mit Halluzinationen und vegetativer Instabilität.

Intoxikation

  • Sedativa/Hypnotika und Opioide: Schläfrigkeit, verlangsamte Atmung.
  • Anticholinerge Substanzen: Mundtrockenheit, Mydriasis, Tachykardie, Harnverhalt, Verwirrtheit.
  • Serotonerge Toxizität: Agitation, Hyperreflexie, Fieber.
  • Stimulanzien: Angst, Paranoia, Hypertonie, Hyperthermie.

Entzug

Alkohol- und Benzodiazepinentzug kann zu Tremor, Schwitzen, Halluzinationen, Krampfanfällen und Delirium tremens führen.

Abklärung

ABC, SpOâ‚‚, Blutzucker, Temperatur. Exakte Substanz-/Medikamentenliste mit Zeitlinie (Was? Wieviel? Wann? Kombinationen?). In der Klinik: Elektrolyte, Nieren-/Leberwerte, EKG (QT), ggf. toxikologische Tests nach Indikation.

Notfall: Zyanose/Atemdepression, Krampfanfall, schwere Agitation, Hyperthermie, instabile Vitalwerte → sofortige Hilfe.

Behandlung & Sicherheit

Therapie ist unterstützend und ursachenspezifisch (Entzugsprotokolle, Antidote nach Indikation). Keine Selbstmedikation mit „Beruhigungsmitteln“. Sicherheit gewährleisten und bei Warnzeichen rasch medizinische Hilfe.

Praktische Tabellen

SzenarioHinweiseHauptrisiko
Sedativ-/OpioidĂĽberdosierungSomnolenz, langsame AtmungAtemversagen
Anticholinerge Toxizität„trocken, heiß“, weite PupillenArrhythmien, Hyperthermie
Alkohol/BZD‑EntzugTremor, Schwitzen, AgitationKrampf, Delirium tremens

Delirium tremens • Medikamentenbedingtes Delir • Wann es dringend ist